Die Zeittafel der Juden in Oberösterreich

schluessel

 

Um 905 Raffelstettener Zollordnung: erste Erwähnung jüdischer Kaufleute in Oberösterreich.

Um 1100 im alpinen Bereich werden ab Ende des 11. Jahrhunderts Judendörfer erwähnt.

Um 1200 erste jüdische Niederlassungen in Wien, kurze Zeit später auch in Linz, Enns und Steyr.

1237 ältestes Denkmal der Juden in OÖ ist der Grabstein in Schloss Haus bei Wartberg/Aist für Zerta, die Tochter des Gerson

1238 Kaiser Friedrich II erteilt den Wiener Juden ein Privileg.

1244 Judenordnung Herzog Friedrich II. des Streitbaren; Regelung jüdischen Handels und Geldverleihs im Herzogentum Österreich

Um 1250 Juden dürfen Häuser erbauen

1294 Jüdischer Grabstein von Rahel, Tochter des Rabbi Tobiah, ein Zeitdokument an der katholischen Pfarrkirche St.Martin bei Ried/Innkreis

1308 Judenverfolgung infolge der Kreuzzüge, auch Juden in Oberösterreich betroffen

1335 entsteht die erste jüdische Gemeinde mit einer Synagoge in der Hahnengasse

1338 von Pulkau nimmt unter dem Vorwand einer Hostienschändung die schwerste Judenverfolgung des österreichischen Mittelalters ihren Ausgang; um die bedeutendste jüdische Gemeinde in Österreich zu retten, senken die Wiener Juden den Zinsfuß der Darlehen mit Zustimmung der Herzöge Albrecht II. und Otto dem Fröhlichen.

1345 Juden in Steyr erstmals erwähnt

1349 Pogrome in Europa nach dem Ausbruch der Pest; die Juden in Oberösterreich sind betroffen, wenngleich nur am Rande.

1371 erneute Verfolgung, Zwangstaufen und Beraubung der Güter. Die jüdischen Kaufleute in Linz und Steyr werden in ihrem Handel beschränkt.

1378 Streit zwischen den Städten Linz und Freistadt wegen der Beförderung des sogenannten „Judenfleisches“ ( d.h. koscheren Fleisches ) von Rosenberg an der Moldau nach Linz.

1396 Herzog Albrecht IV. verbietet den Linzer Juden den Handel mit den Bürgern der Stadt; die jüdische Gemeinde zu Linz besteht weiter.

1420/21 auf Grund des Vorwurfs einer Hostienschändung in Enns bricht in Österreich ein Pogrom aus; in der Folge lässt Herzog Albrecht V. die Juden vertreiben, da man sie der Konspiration mit den Hussiten verdächtigte. Die armen Juden wurden ausgewiesen, die Wohlhabenden – 110 Männer – wurden auf der Erdberger Lände verbrannt. Die Gemeinde in Linz erlischt, bis zum Ende des 15.Jhs. ist in Linz kein jüdischer Handel mehr nachweisbar.

1426 Umbau der Linzer Synagoge in eine Kirche

1492 residiert Kaiser Friedrich II. im Linzer Schloss. Sein Leibarzt Jakob ben Jechiel Loans, ein Jude und Kabbalist, führt den württembergischen Gesandten und humanistischen Gelehrten Johannes Reuchlin in die hebräischen und kabbalistischen Schriften ein.

Um 1500 auf Anordnung Kaiser Maximilians I. dürfen Juden, u.a. aus Südböhmen, wieder die Markttage in Linz befahren.

1554, 1567, 1614, 1625, 1659 und 1670 kommt es unter dem Druck der Inquisition und der judenfeindlichen Päpste Paul IV. und Pius V. immer wieder zu Gewaltausbrüchen und Vertreibungen, so dass keine kontinuierliche Ansiedlung einer nennenswerten Zahl von Juden möglich ist.

1677 plündern die Studierenden des Jesuitenlyzeums die für die Markttage angemieteten „Judengewölbe“.

1699 Ausweisung der Juden aus dem Erzherzogtum (Nieder)Österreich unter Leopold I.

Um 1700 Juden aus Rosenberg an der Moldau befahren regelmäßig die Linzer Märkte.

1745 Kaiserin Maria Theresia befiehlt die Vertreibung der Juden aus Böhmen, Verbot der Aufnahme böhmischer Juden in den Erbländern.

Ab 1767 jüdischer Handel in Linz wieder nachgewiesen. Unter Joseph II. dürfen Juden auf den Linzer Märkten wieder ihre Ware verkaufen, sie müssen jedoch Mautgeld zahlen. Ihr Aufenthalt ist auf drei Tage beschränkt.

1782 Toleranzpatent Josephs II.

1783 jüdischer Handel auf den Jahrmärkten in Linz für frei erklärt.

Ab 1822 reger jüdischer Handel auf den Linzer Märkten, u.a. durch Juden aus Böhmen.

1824 wird ein Gebetsraum in der Badgasse errichtet.

1849 den Juden wird in den Ländern der Monarchie das Niederlassungsrecht auf Dauer gewährt.

1860 wird den Juden Grunderwerb gestattet. In Linz, entgegen der Rechtsordnung, allerdings erst nach 1867.

1861 1. Rabbiner Dr.Wilhelm Stern(Amtsantritt). Mietvertrag für Betsaal Marienstraße.

1863 Gründung der Chewra Kadischa, sowie eines jüdischen Friedhofs in Linz (bis 1863 wurden in Oberösterreich verstorbenen Juden in Rosenberg an Moldau beigesetzt). Die meisten Familien stammen aus Südböhmen und sind Kaufleute und Fabrikanten.

1865 Gründung einer „Kultus-Genossenschaft“ auf Vereinsbasis. Die Gründung einer Kultusgemeinde wird von der Stadt Linz vorerst verweigert.

1867 Rechtliche Gleichstellung der Juden in der Habsburger Monarchie.

1870 Gründung der israelitischen Kultus-Gemeinde Linz-Urfahr, ein Bethaus in der Marienstraße. Dr.Kohn ist Präsident der IKG Linz. Damals leben 391 Juden in Linz.

1872 Ankauf des Grundstückes Bethlehemstraße 26 durch die großzügige Spende des des Glasfabrikanten Wilhelm Kralik.

1873 Rabbiner Dr.Abraham Salomon Frank(Amtsantritt).

1876 Großzügige Spende von 10.000 Franken von einem russischem Juden für den Tempelfond. Grundsteinlegung für den Linzer Tempel in der Bethlehemstraße.

1876 Rabbiner Dr.Adolf Kurrein (Amtsantritt).

1877 Einweihung der Synagoge in der Bethlehemstraße. Salomon Sulzer fungiert bei der Einweihung als Kantor. Thorarolle und Kidduschbecher wurden von Sir Moses Montefiori gespendet.

1883 Rabbiner Moriz Friedmann (Amtsantritt).

1890 Gesetz betreffend die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgesellschaft (Israelitengesetz).

1892 Ablösung von Linz und Konstituierung der Kultusgemeinde Steyr.

1894 Gründung der Israelitischen Kultusgemeinde Steyr.

1902 Bau des bis heute bestehenden Leichenhauses am Friedhof.

1906 Kultusgemeindevorsteher: Benedikt Schwager

1906-1912 Gründung der ersten zionistischen Vereinigungen in Linz.

1911 die Salzburger Juden, bisher Mitglieder der Linzer Kultusgemeinde, scheiden aus der Linzer Kultusgemeinde aus und begründen eine eigene Gemeinde.

1923 laut Volkszählung von 1923 leben in Oberösterreich 1320 Juden (1,5% der Gesamtbevölkerung).

1923 Rabbiner Dr.Viktor Kurrein (Amsantritt).

22.3.1934 leben 966 Juden in Oberösterreich.

März 1938 Besetzung Österreichs (Anschluss), Einführung der NS-Rassengesetzgebung in Österreich, Beraubung jüdischer Mitbürger( Arisierungen), erste Einweisungen oberösterreichischer Juden in Konzentrationslager.

11.3.1938 erste Verhaftungswelle – Arisierungen von jüdischen Betrieben.

Mai 1938 Vertreibung der Pflichtschüler aus den öffentlichen und privaten Schulen in Linz und Einrichtung einer „Judenschule“.

9./10.11.1938 Reichspogromnacht (Reichskristallnacht); Zerstörung der Linzer Synagoge,
Verhaftung und Einweisung vieler jüdischer Mitbürger in Konzentrationslager.

1939 Übersiedlung der Linzer Kultusgemeinde als „Provinzreferat Oberdonau“ nach Wien.

1942 Schließung aller Schulen der Juden im so genannten „ Großdeutschen Reich“.

1941-1945 Etwa 300 Juden aus Linz und Oberösterreich fallen dem Holocaust (Shoa) zum Opfer.

Ab Mai 1945 in Oberösterreich werden ca 12.000 Juden aus dem KZ Mauthausen und seinen Nebenlagern befreit, dazu kommen die Überlebenden der Todesmärsche. Sie werden vorerst von den Alliierten in DP-Lagern versorgt. Mit dem Zeitpunkt der Befreiung setzt reges jüdisches Leben ein, Gründung zahlreicher jüdischer Gemeinden v.a. in Linz, Steyr, Salzkammergut.

6.1.1946 Wiederbegründung der zerstörten jüdischen Gemeinde in Linz: Generalversammlung der Linzer Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) und Wahl von Heinrich Splevinsky (später auch Splewinsky genannt) zum Vorsitzenden der IKG und Isidor Friedmann zu dessen Stellvertreter.

1947 Simon Wiesenthal gründet das Jüdische Dokumentationszentrum in Linz (ab 1961 Sitz in Wien).

28.9.1948 Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde für Linz und Oberösterreich durch den Landeshauptmann von Oberösterreich ernannt.

1949 Dkfm. Wilhelm Schwager –Geschäftsvorsitzender der IKG.

1953-1979 Dkfm. Wilhelm Schwager Präsident der IKG Linz.

1953 Franz Fuchs-Robetin Vizepräsident.

18.3.1956 Dkfm. Schwager legt das Amt zurück. Franz Fuchs-Robetin Präsident, Dipl.Ing.Simon Wiesenthal Vizepräsident.

Nov. 1957 Wilhelm Schwager wird vom Gemeindevorstand zum Präsidenten gewählt (bis 1979). Simon Wiesenthal bleibt geschäftsführender Vizepräsident (bis 1965).

Juni 1960 DI George Wozasek wird in den Vorstand gewählt.

1965-69 Eugen Friedmann Vizepräsident.

1969 George Wozasek Vizepräsident.

1968 Einweihung der neuen Linzer Synagoge am Ort der 1938 zerstörten Synagoge.

1980 Dipl.Ing.George E. Wozasek Präsident der IKG Linz, Anna Altman Vizepräsidentin.

1998 Enthüllung der Gedenktafel zu Ehren der in der Zeit der NS-Gewaltherrschaft ermordeten oberösterreichischen Juden in der Linzer Synagoge (2004 ergänzt und neu eingeweiht).

2010 Restaurierung des Gemeindehauses

2013 Neue Präsidentin – Frau Dr. Charlotte Herman

2015 Restaurierung der Synagoge

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