Gedanken zum Bau der Synagoge

Von Architekt Ing. Fritz Goffitzer

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Die Aufgabe war, für denselben Platz, auf dem die alte Synagoge stand, ein neues Bethaus zu planen. Durch die Liturgie bedingt, sollte der Baukörper ost-west-orientiert werden, was durch das verständnisvolle Entgegenkommen der Baubehörde möglich gemacht wurde. Die Kleinheit der Gemeinde einerseits und die bescheidenen finanziellen Mittel anderseits bestimmten von vornherein den Umfang des Bauvolumens.

Das Bauprogramm bestand in der Planung eines Betraumes und der erforderlichen Nebenräume. Durch klare Aufteilung dieses Programmes in seine Funktionen ergab sich naturgemäß eine entsprechende Aufgliederung der geringen Baumasse. Darüber hinaus wurden auch die Höhen der einzelnen Gebäudeteile Gangvorraum, Nebengebäude und Betraum – ihrer jeweiligen Bestimmung gemäß variiert.

Der Bau: Die einzelnen Gebäudeteile wurden entlang der ostwest-gerichteten Längsachse symmetrisch angeordnet. Um trotz der Kleinheit der Baumasse eine der Widmung des Gebäudes gemäße Überhöhung zu erreichen, habe ich den Bau auf ein mit Granitsteinen gepflastertes erhöhtes Plateau gestellt, das durch eine geschwungene Stützmauer begrenzt wird. Diese beiden Komponenten – Überhöhung und Begrenzung entrücken den Bau aus der Profanwelt in eine neue Ebene, die einem Tempelbezirk gleichkommt. Diese Niveauverschiebung läßt den Bau optisch wesentlich größer erscheinen als er in Wirklichkeit ist.

Da die Aussenwände keine Fenster haben, hat das Auge auch hier keinen konkreten Anhaltspunkt, Maßrelationen festzustellen. Sechs schalreine Betonsäulen, die sich nach oben leicht verjüngen, tragen die große, weitauskragende Dachschale, die gleichzeitig die Decke des Betraumes bildet. Diese an ihren Enden stark nach oben gekrümmte Dachschale ist ein wesentliches Kompositions- und Aussageelement des Baues. Die geschwungene Stützmauer des Plateaus bildet das entsprechende kompositionelle Gegengewicht. Da mir eine Loslösung des Betraumes als Hülle des Geistigen von den Funktionsträgern Säulen und Dachschale notwendig erschien, stehen die Aussenmauern des Betraumes weder mit den Säulen, noch mit dem Dach in Verbindung. Um das Raumerlebnis zu übersteigern, wurde der in den Betraum führende und teilweise in ihn hineinragende Gang bewußt extrem niedrig gehalten.

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Das Endstück dieses Ganges bildet somit einen kleinen Raum im Großen. Die Kleinheit der für den Betraum zur Verfügung stehenden Fläche berücksichtigend, entschied ich mich für einen quadratischen Grundriß, da dieser das konzentrierteste Raumerlebnis vermittelt. Um dies zu erreichen, ist es notwendig, die Grundrissform entsprechend zu überhöhen.

Eines meiner Hauptanliegen war es, durch die Wahl entsprechender gestalterischer Mittel im Beschauer ein Gefühl der Geborgenheit entstehen zu lassen. Dies glaube ich dadurch erreicht zu haben, dass ich die fensterlosen Aussenwände durch ein in den Raum hineinragendes Gegengewölbe abgeschlossen habe – eine in der Raumarchitektur mir bisher nicht bekannte Form. Da die sechs Säulen, die die Decke tragen, vom Raum aus nicht sichtbar sind, und die Decke vom Gegengewölbe durch ein schmales Lichtband getrennt ist, wird sie weitgehend als schwebend empfunden.

Die stark nach oben geschwungenen Enden dieser Deckenschale sind so weit ausladend, dass sie den Blick zum Himmel nicht freigeben, wohl aber das Licht, quasi gefiltert durch das Oberlichtband in den Raum einfluten lassen. Diese Lichtwirkung wird auch bei künstlichem Licht annähernd erreicht, weil die in einer Voute unsichtbar angebrachte Beleuchtung das Licht über die Decke in den Raum reflektiert.

Ein verstärktes Gefühl der Gemeinsamkeit hoffte ich dadurch hervorzurufen, dass ich die Sitzbänke in einer nach Osten zu offenen U-Form situierte und sie auf einen zum zentralen Mittelfeld führenden, abgetreppten dunklen Fußboden stellte. Auf diesem zentralen Mittelfeld, das mit bläulich-weißen Marmorplatten ausgelegt ist, steht das Pult, auf dem aus der Thora vorgelesen wird. In der Mitte der Ostwand des Gebäudes wurde der zylindrisch geformte steinerne Thora-Schrein so eingemauert, dass er zu gleichen Teilen nach aussen ins Freie und nach innen in den Betraum ragt. Symbolhaft weist er zur aufgehenden Sonne und gibt somit der Ostwand des Gebäudes die ihr gemäße Bedeutung.

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Über dem Thora-Schrein hängt das „Ewige Licht“, links und rechts davon sind mannshohe Leuchter aufgestellt. Beides sind Arbeiten des in Salzburg lebenden Künstlers Arno Lehmann. Der gesamte Innenraum wurde von Professor Fritz Fröhlich aus Linz mit Wandmalereien in Fresko-buono-Technik gestaltet, deren formales Gerüst in den Hauptakzenten durch die Architektur bestimmt ist.

Zwischen Betraum und den Nebengebäuden, an der schmalsten Stelle des Baues, wurde mittels stahlgrauer Glasflächen eine transparente neutrale Zone geschaffen. Die stark abgerundeten
Aussenkanten der Nebengebäude sind ein wesentlicher Bestandteil der Gesamtkomposition und tragen überdies dazu bei, keine harten Kontraste von Licht und Schatten entstehen zu
lassen.

Der gesamten Planung liegt ein Modulmaß zugrunde. Dieses ergab sich aus der spezifischen Gestik des Baukörpers. Allen Baugliedern, vom größten Teil bis zum kleinsten Detail, wurden die sich aus diesem Modulmaß ergebenden Proportionen zugrundegelegt, wodurch alle Bauteile miteinander in maßlichem Zusammenhang stehen.

Da sich die innere Ordnung des Gebäudes absolut mit dem äußeren Erscheinungsbild deckt, ist der Baukörper in sich geschlossen und leicht fassbar.

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